Wenn das Leben unfair spielt – wie du im Sturm Kurs hältst

Jürgen Ferrary
22. Januar 2026

Das ist voll unfair!“ Diesen Satz höre ich regelmäßig von meinen Schülern. Meine Antwort ist fast immer dieselbe: „Niemand hat versprochen, dass das Leben fair ist.“

Und so hart das klingt – es stimmt. Das Leben auf dieser Erde ist oft ungerecht. Ein Grund dafür ist unser menschlicher Egoismus. Auch unter Christen gilt nicht selten das Motto: Jeder ist sich selbst der Nächste. Das hat Folgen – für andere. Dazu kommen Dinge, die wir überhaupt nicht in der Hand haben: Krankheit, Unglücke, Verluste. Ja, das Leben kann wirklich unfair sein.

Die entscheidende Frage ist nicht ob Stürme kommen, sondern wie wir mit ihnen umgehen.

Mir hilft dabei immer wieder die Geschichte von Paulus, der als Gefangener auf dem Weg nach Rom in einen schweren Sturm gerät (Apostelgeschichte 27). Drei Lektionen aus dieser Geschichte sind mir besonders wichtig geworden.

1. Lass dich nicht treiben

„Als es ihnen nicht gelang, das Schiff in den Wind zu drehen, gaben sie auf und ließen es treiben“ (Apg 27,15).

Genau das passiert uns im Sturm oft auch. Wenn Schwierigkeiten lange anhalten, verlieren wir die Orientierung. Der Blick für das Ziel verschwimmt. Kraft und Hoffnung schwinden – und wir lassen los.
Doch wer sich treiben lässt, überlässt dem Sturm die Richtung. Und der Sturm bringt uns selten in ruhige Gewässer.

Das Leben ist kein Ponyhof. Es ist nicht immer bequem oder planbar. Gib deinen Traum, deine Berufung oder deinen inneren Antrieb nicht auf, nur weil das Leben gerade rau ist. Halte den Kurs – auch wenn du ihn im Moment kaum siehst.

2. Wirf nicht alles über Bord

„Am nächsten Tag warfen sie in ihrer Not die Ladung über Bord“ (Apg 27,18).

Ballast abzuwerfen kann sinnvoll sein. Aber im Sturm werfen wir oft mehr weg als nötig: Werte, Beziehungen, Berufungen. Dinge, die wir in ruhigen Zeiten niemals aufgegeben hätten.

Manche Menschen beenden vorschnell ihre Ehe, ihr Studium oder ihren Dienst, weil der Gegenwind zu stark wird. Ich sage nicht, dass jede Situation um jeden Preis gerettet werden muss. Aber ich kenne viele, die zu früh losgelassen haben – und es später bitter bereuten.

Gott kann Herzen verändern. Er kann Situationen wenden. Aber wenn du ständig das Schiff verlässt, gibst du ihm keinen Raum, an deinem Charakter zu arbeiten. Wachstum geschieht oft nicht trotz, sondern mitten im Sturm.

3. Verliere nicht die Hoffnung

„Schließlich schwand uns alle Hoffnung auf Rettung“ (Apg 27,20).

Vierzehn Tage Dunkelheit. Keine Orientierung. Keine Kraft mehr. Und doch hatten sie eines vergessen: Gott hatte den Sturm nicht aus der Hand gegeben.

Vielleicht fühlst du Gott gerade nicht. Aber wenn du dich weit weg von ihm fühlst, dann frage dich ehrlich: Wer hat sich bewegt? Gott ist dir näher, als du denkst. Er ist bei dir im Sturm – und er wird dich hindurchführen.

Kleine Herausforderung für heute: Frag dich bewusst: Wo lasse ich mich gerade treiben – und wo möchte Gott, dass ich neu Kurs aufnehme? Sprich ein einfaches Gebet: „Gott, zeig mir meinen nächsten Schritt – und gib mir die Kraft, ihn zu gehen.“

Auch wenn das Leben unfair spielt:
Gott bleibt treu. Und er bringt dich sicher durch den Sturm.

Sei gesegnet.

„Mitten im Winter lernte ich endlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt“ (Albert Camus).

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